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Und ich stehe so am Fenster und frage mich:

„Ob sich die Kinder die Frage stellen, seit wann „Santa Claus“ eigentlich Bremsspuren am Himmel hinterlässt? – Ob ihnen bewusst ist, dass Santa 3 Wochen zu früh unterwegs ist? Nachdem es bereits seit Ende September Weihnachtsmänner aus Schokolade, Adventskalender und Co. im Supermarkt zu kaufen gibt, ist das mit dem Zeitgefühl doch eher fraglich. Ich versuche meinen Fokus auf den Himmel im Hintergrund zu lenken und ein klares, umvernebeltes Blau zu entdecken. Doch die roten Bremsspuren glühen im Sonnenuntergang fast so, als wollten sie mit dem „Coca-Cola-Gedächnis-Outfit“ von Santa um die Wette leuchten.

Und so stehe ich am Fenster, starre in den Himmel und philosophiere mit mir über die Tragödien unserer Zeit.

Ich frage mich, ob mich die Nachbarn aus dem gegenüberliegenden Haus gelegentlich beobachten und sich fragen, warum ich in den Himmel starre und evtl. selbst einmal einen Blick in den Himmel wagen? – Ob sie sich überhaupt die Zeit für genauere Beobachtungen nehmen können – Bei all dem TV-Programm, dass sie den Flimmerkisten gegenüber verpflichten zu scheint, die hinter fast jedem noch so weihnachtlich dekorierten Fenster in den Innenhof hinaus leuchten. Und bevor mich das Flimmern der Kisten, das von den Backsteinen im Innenhof in mein Wohnzimmer reflektiert wird, zum Kauf eines eigenen TV-Gerätes anregen kann, fällt mein Blick wieder gen Bremsspuren in den Himmel.

Meine Tragödien-Analyse scheint Früchte zu tragen, denn plötzlich kommen mir Gedanken, bei denen ich mich nicht entscheiden kann, welcher von ihnen tragischer ist:

Vielleicht gibt es ja Menschen, die wirklich glauben, es handele sich um die Schlittenspuren von Santa Claus, zumindest wenn man es ihnen im ständigen Wiederholungsmodus erzählen würde. Und bei all unserem Konsumwahn, den ganzen Bestellungen über das Internet und den vollkommen überlasteten Postboten und Paketlieferanten, würden sie bei der Nachfrage, warum die Schlittenspuren auch im Sommer zu sehen sind, wahrscheinlich sogar glauben, wenn man behaupten würde, Santa helfe bei den allgemeinen Paketzustellungen nun auch im Sommer aus.
Immerhin habe er ja genügend Erfahrung und wir wissen ja, dass bei Pensionierten immer häufiger ein Nebenjob ausgeübt wird, weil die Rente nicht mehr reicht. Davon muss wohl auch Santa betroffen sein. Immerhin scheint sein letzter Job, als Werbemaskottchen von Coca Cola, den er vor ca. 100 Jahren angenommen hatte, nicht mehr genügend Trinkgeld abzuwerfen.

Ich schließe das Fenster. Wahrscheinlich ist es das Gesamtpaket, was in seinem Gesamtvolumen so tragisch ist. Heute Abend schreibe ich einen Brief, der da mit den Worten „Lieber Santa, könntest du etwas sanfter bremsen? Du hast doch noch 3 Wochen Zeit“ beginnt…

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