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Heute bin ich wieder einmal über ein Thema gestolpert, dass mich seit langer Zeit beschäftigt und worüber ich deshalb im folgenden Beitrag schreiben möchte. Es wird sich um die schleichende, aber systematische Umsetzung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs handeln.

Erstmals kam ich mit dieser Materie in Berührung, als ich vor ca. 3 Jahren mein Münzgeld zu meiner örtlichen Bank bringen wollte. Selbstverständlich hatte ich die verschiedenen Münzen sortiert und in Papier gerollt abgegeben und bat nun um eine Barauszahlung in Scheinen. Als die Bankmitarbeiterin den Wechsel in bares Papiergeld verwehrte, habe ich mich nach den Gründen dafür erkundigt. Sie berichtete mir leicht distanziert, dass Geldbeträge, die über Münzgeld eingezahlt werden, seit kurzer Zeit nur noch direkt auf das Konto gutgeschrieben werden könnten. Ich war durchaus irritiert und nicht wirklich amüsiert darüber, dass ich einen Tag warten musste, um Zugriff auf das bereits geleistete, eingezahlte Geld zu erhalten. Schon damals habe ich mich ernsthaft gefragt, ob es überhaupt rechtens sei, dass mir die Bank den sofortigen Wechsel meines Münzgeldes in Papiergeld, dass ich ihr immerhin zur Verfügung stellte, überhaupt verwehren darf. Als Geldgeber und Kunde habe ich mich in dieser Situation schlecht beraten und unzureichend bedient gefühlt.

Nachdem sich zudem die wirtschaftliche Lage in Europa von Tag zu Tag verschlechterte – siehe Griechenland, Spanien, Irland, Italien – befasste ich mich schließlich noch intensiver mit den Themen „Bargeldloser Zahlungsverkehr“, „Geldsystem“, „Zins und Zinseszins“ „Leitwährung“ und „Wirtschaft“. Schnell stieß ich auf interessante Beiträge in Fachmagazinen, aber auch alternativen Medien. Ein schönes Gleichnis zum Thema Geld, dass ich damals las, begleitet mich noch immer. Inhaltlich lautet dieses:

„Geld stellt ursprünglich einen Gegenwert zu unseren Ressourcen und Gütern dar. Durch Zins und Zinseszins geht die Funktion des Gegenwertes jedoch verloren. Man nehme beispielsweise einen Bauern, der seine Äpfel auf dem Markt verkauft. Am ersten Tag nach der Ernte sind die Äpfel am meisten wert, da sie in dieser Phase noch besonders frisch sind. Für den Bauern lohnt es sich also nicht, wenn er seine Äpfel vom Markt zurückhält und mit dem Verkauf wartet. Aus rein logischen Gründen, weil die Frucht von Tag zu Tag an Wert verliert und verdirbt. So ist es auch mit anderen Gütern, wie z.B. Kleidung. Eine Hose, die man im Laden erwirbt, ist schon am Tag nach dem Kauf und spätestens nach dem ersten Tragen weniger Wert, als vor dem Kauf. Ausgenommen von diesem Prinzip sind beispielsweise Kunstwerke. Kommen wir zu den Äpfeln zurück! Weil es wesentlich einfacher ist, mit einer Währung zu bezahlen, die nicht verfault bzw. verdirbt, wurde irgendwann das Geld als Tauschmittel eingeführt. Früher verwendete man anstelle von Münzgeld übrigens Muscheln, oder Reis. Die ersten Funde von vermutlichem Metallgeld stammen aus dem Mittelmeerraum und datieren um die Zeit 2000 v. Chr. Es handelt sich dabei um Haustierminiaturen aus Bronze. Ab dem 14. Jahrhundert gewann sog. „geprägtes Geld“, so wie wir es heute kennen, an Bedeutung. Außerdem wurden Goldreserven zur Sicherung des Geldes angelegt.“

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Durch Zins und Zinseszins wird Geld jedoch seiner ursprünglichen Funktion entfremdet. Legt man sein Geld bei einer Bank an, erhält man Zinsen, da man das Geld der Bank zeitweise zur Verfügung stellt. Wobei ich hinzufügen muss, dass sich der Zinssatz ständig minimiert – Negativzins. Legt man jedoch hohe Summen an, so vervielfacht sich der Geldwert innerhalb kurzer Zeit und steigt exponentiell an. Stillstand von Geld wird sozusagen belohnt, obwohl dies denkbar unnatürlich ist. Die wenigen Menschen auf unserem Planeten, die horrende Summen auf ihren Konten haben, werden also von Tag zu Tag immer reicher. Und wie ihr euch denken könnt, müssen diese Summen an Zinsgeldern irgendwie ausgeglichen werden. Stellt euch hierzu eine Wage vor. Sozusagen die Geld-Wage unserer Welt. Natürliches Geld, also das Bargeld mit reellem Gegenwert, stellt unsere Ressourcen und Güter dar. Somit kann es nur eine begrenzte Menge an Bargeld geben, weil eben auch die Güter und Ressourcen begrenzt sind. Nimmt man also dieses Geld und versucht es gerecht auf einer Wage zu verteilen, stellt man schnell fest, dass dieses Grundprinzip eines gerechten, natürlichen Geldsystems unter den Bedingungen von Zins und Zinseszins nicht aufgehen kann. Inzwischen sind wir sogar soweit , dass jedes Guthaben auf dem Konto des einen, einen Minusbetrag auf dem Konto eines anderen Menschen bedeutet. Mit Ausgeglichenheit hat das selbstverständlich nichts zutun. Und profitabel ist dieses „System“ für die Wenigsten. Unmengen Geld auf dem Konto von wenigen Profiteuren, bedeutet viele Minusbeträge, die auf den Konten der anderen Menschen irgendwie verteilt werden müssen. Somit stellt sich die Frage, wie lange die Wage noch standhalten kann? Wenn die Ressourcen und Waren, wie z.B. der Apfel, nicht an Wert zunehmen, wenn man sie aufhebt, wie kann sich dann also Geld vermehren dürfen, obwohl es nicht im Umlauf ist und „aufgehoben“ wird?

Gerne könnt ihr euch zu diesem Thema noch mehr Wissen anlesen. Hierzu werde ich euch am Ende des Beitrages einige interessante Links auflisten.

Nachdem ich euch nun den einstigen und eigentlichen Sinn von Geld näher gebracht habe, möchte ich nun wieder auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr eingehen. Dass der Trend zur Kartenzahlung auch in Deutschland zugenommen hatte, ist mir lange bekannt. Als ich jedoch meine Reise nach Australien antrat, war mir nicht bewusst was ich dort erwarten würde. In den ersten Tagen auf der anderen Seite der Erde, war alles relativ vertraut. Wie so oft beim Reisen freute ich mich auf interessante, neue Geldscheine und habe versucht ein Gefühl für den Wert des AUS$ zu bekommen. Einkaufen ging ich überwiegend auf dem „Queen Victoria Market“ in Melbourne, der eine große Auswahl an Lebensmitteln bietet.

Nach einigen Tagen jedoch, musste ich ein Konto eröffnen, damit die Transaktion von potentiellem Gehalt vonstattengehen konnte. Immerhin wollte ich arbeiten und hatte bereits die ersten Lebensläufe verteilt. Gesagt, getan. In einer örtlichen Bank fand ich mich an einem sonnigen Nachmittag wieder und eröffnete ein australisches Konto. Anfangs hatte ich eher Respekt vor dem Business-Englisch, das mich erwarten würde. Doch im Gespräch angekommen, entwickelte sich der Respekt vor dem fremdsprachlichen Fachjargon, eher in Respekt gegenüber der dortigen Zahlungsmethoden und Kontosysteme. Die freundliche Dame gab wirklich ihr Bestes und versuchte mir die unterschiedlichen Kontoformen zu erklären. Um es grob zu sagen, handelt es sich um ein Konto mit Sparschweinfunktion, Direktzahlfunkton, Anlegerfunktion, Investitionsfunktion und weiteren „Special-Effekts“.

Die dem Konto zugehörige Karte erhielt ich wenige Tage später und auf traditionellem Wege via Postweg. Nachdem ich das erste Geld von meinem Konto in Deutschland überwiesen hatte, begann also das Abendheuer.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich den ersten Store betrat. Ich sah mich nach Arbeitskleidung um, die ich auch zügig fand – Ich bin da eher die unkonventionelle, zielorientierte Shopping-Queen und kann große Läden eher nicht leiden. Als ich also in der Schlange zur Kasse stand, beobachtete ich Kunden, die vor mir in der Reihe standen. Mein Blick fiel auf die futuristischen Kassen, die ich Zuhause so noch nicht gesehen hatte. An den Seiten jeder Kassenanlage war ein Touchpad angebracht. Bevor ich mir jedoch die Frage stellen konnte, welche Funktion dieses genau erfüllen sollte, zückte eine Kundin ihre Bankkarte und hielt sie ganz unbekümmert an das Touchpad. Ein kurzer, pfeifender, bestätigender Ton erklang, der Kassenzettel wurde umgehend ausgedruckt und die Verkäuferin bedankte sich für den werten Einkauf.

Keine PIN-Eingabe? Keine Unterschrift? Ob mir in diesem Moment der Kinnladen heruntergefallen ist, kann ich nicht mehr so genau ausmachen. Wenn mein Blick auch nur minimal meine Gedanken widergespiegelt hat, muss ich jedenfalls ziemlich merkwürdig ausgesehen haben. Noch verdutzter war mein Gesichtsausdruck wohl, als ich den Acrylaufsteller an der Kasse mit einer Kundeninformation wahrnahm, welche lautete: „Bargeldzahlung erst ab einem Betrag von 50 AUS$.“

Irritiert warf ich einen Blick auf die Preisetiketten der Kleidung, die ich im Begriff war zu kaufen. Der Gesamtbetrag muss bei ca. 30 AUS$ gelegen haben. Jedenfalls wurde mir klar, dass meine erste Kartenzahlung unabdingbar war. Ich sah es jedenfalls auch nicht ein, dass ich noch mehr Geld ausgeben sollte, nur um mir die Kartenzahlung zu sparen. Nach einem heissen, anstrengenden Tag, an dem ich schon viele Kilometer gelaufen war, wollte ich meine Einkaufstour verständlicherweise auch nicht von vorne beginnen und woanders einkaufen. Also griff ich nach meiner Karte, als die Dame an der Kasse mit dem Scannen begann. Mit typisch australischer Freundlichkeit informierte sie mich über die aktuellen Angebote, während meine Aufmerksamkeit eher dem Touchpad galt. Zur „Sicherheit“ erklärte ich, dass ich noch nie auf diese Weise bezahlt habe. Mit einem auflockernden „No Worries“ griff sie nach meiner Bankkarte, um mir den Vorgang kurz und bündig zu erklären. Dann wieder das Piepen.

„Wie lange gib es dieses System in Australien?“ erkundigte ich mich interessiert.
„Seit ca. 2 Jahren.“ entgegnete mir die Dame.
„Hatten Sie jemals Probleme damit?“ wollte ich wissen.
„Anfangs war es eine gewaltige Umstellung. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Das Hauptproblem war, dass manche Beträge doppelt von den Kundenkontos abgebucht wurden, weil diese versehentlich zu lange mit der Karte auf dem Touchpad innehielten – das war nervig. Aber inzwischen bezahlt die Mehrheit hier via Touchpad. Und wissen Sie was? Es ist wesentlich schneller und moderner, als zuvor. Die Umstellungsphase ist schnell überwunden. Sie werden es lieben.“ antwortete sie euphorisch.

Ich nickte ab, da die Kunden hinter mir ungeduldig wurden. Keine Zeit für Diskussionen, denen ich normalerweise nicht entkomme, weil ich einfach nicht den Mund halten kann. Ich hatte erstmal genug Grund zum Grübeln. Vor allem dachte ich darüber nach, wie ich der Kartenzahlung zukünftig am Geschicktesten entgehen könnte. Aus Deutschland war ich immerhin das Gegenteil genaue gewohnt. „Kartenzahlung erst ab gewissen Beträgen möglich“ lautete dort die Devise. Ich war mir jedoch sicher, dass ich eine Möglichkeit finden würde.

Doch es war überall. Bankautomaten zahlten Bargeld teilweise nur aus, wenn man hohe Gebühren für die Barabhebung einging. Ich sah Leute, die ein Getränk für 2 AUS$ mit Karte bezahlten. Wechselgeld im Münzbereich war meist Fehlanzeige. Man hatte die Wahl. Entweder stockte man seinen Einkauf auf, damit der Betrag ein glatter war, oder die Kassierer rundeten einfach auf. Teilweise um ganze 50 Cent nach oben! Ich fühlte mich quasi zur Kartenzahlung gezwungen, was mich nach jedem Einkauf mehr und mehr betrübte. Auch an den Supermarktkassen, waren die Kartenzahler schneller dran, weil die Selbstbedienungskassen meist frei waren. Wovon ich mich allerdings nicht wirklich beeindrucken lies. Da ich bewusst einkaufen gehe, habe ich die Zeit, die ich mir beim Einkaufen gespart habe, an der Kasse einsetzen können. Die Hauptsorge, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, basierte auf einem ganz anderen Fakt. Die Gefahr, dass mir die Karte geklaut werden könnte, ich es nicht bemerken würde und mein Konto komplett geräumt werden würde, erschien mir besonders unangenehm. Immerhin wird weder ein PIN zur Zahlung benötigt, noch muss man eine Unterschrift leisten! Jeder Dieb hätte mit meiner Karte ungehindert einkaufen und mein Geld entwenden können. So ging ich noch sorgfältiger mit meinem Geldbeute um, als ich es sowieso schon tue – eher ein Stressfaktor, gerade wenn man sich im Hostel mit vielen Menschen aufhält.

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Wochen vergingen. Meine Reise durch Australien war inzwischen fortgeschritten. In Sydney versicherte mir ein Freund, dass die Banken für einen potentiellen Diebstahl einer Karte mit bis zu 2500 AUS$ für den Schaden aufkommen würden. Gutmütig gegenüber der Touchpad-Funktion stimmte mich diese Aussage allerdings nicht wirklich. Auch, weil ich diese „Absicherung“ praktisch stark bezweifle. Zudem würde es Wochen dauern, bis man das Geld wieder auf dem Konto gutgeschrieben bekäme. Als Backpacker, der jeden Cent mehrmals umdrehen muss, war die Vorstellung nicht beruhigend. Mir gingen weiterhin viele Fragen durch den Kopf:

„Gibt es hier denn niemanden, der sich gegen die Chip-Zahlungen ausspricht?“

„Wie bezahlt man Trinkgeld an Friseure, Bedienungen usw.?“

„Bekommen diese Menschen überhaupt noch Trinkgeld?“

„Wie unterstützt man Straßenmusiker, oder Obdachlose, wenn kaum noch Münzgeld im Umlauf ist und dieses systematisch entzogen wird?“

„Haben Kinder auch schon ein Taschengeldkonto, damit sie sich in der Schule, oder in der Freizeit etwas kaufen können?“

„Wie sieht die Zukunft aus, wenn es kein Bargeld mehr gibt?“

Frust machte sich in meinen Gedanken breit, der von den Antworten nur noch unterstrichen wurde, die ich in den kommenden Wochen erhielt.

Zuerst traf ich auf bettelnde, verarmte Aborigines, die mich um etwas Geld für ihr Kind baten. Ich gab einige von meinen Bananen ab und blieb nachdenklich zurück, als sie weiterzogen.
Die letzte Großstadt meiner Reise war Brisbane. Dort traf ich, wie gewohnt, überwiegend auf jüngere, „moderne“ Leute, die ich weiterhin über die Nachteile von bargeldlosem Zahlungsverkehr aufklärte. Arbeiter, die jedoch Trinkgeld gewohnt waren, sprachen sich von Zeit zu Zeit durchaus dagegen aus. Mir war das noch zu wenig. Erst als ich dann in kleinere Orte kam, entstanden wirklich interessante Gespräche, die mich bestätigten. Verständnis erhielt ich überwiegend von Australiern, die mit Bargeld aufgewachsen sind und von Leuten, die sich mit dem Thema „Geldsystem“ intensiver befasst hatten.

Ich nutzte weiterhin Bargeld, wann immer es möglich war und hob, wie ich es auch in Deutschland tue, den Bärenanteil nach Geldeingang direkt vom Konto ab. Ganz nach dem Motto „Mit meinem Geld spielen die nicht Monopoly“.  Die Kassiererin aus Melbourne hatte übrigens Recht behalten. Man gewöhnt sich an vieles. Und so gewöhnte ich mir sämtliche Tricks an, um Kartenzahlungen aus dem Weg zu gehen. Als ich irgendwann schon fast dachte, dass meine kleine Welt wieder heile sei, entdeckte ich den Getränke,- und Snackautomaten an meinem Arbeitsplatz. Die „nahrhaften“ Softdrinks, Schockriegel und Chips gab es für nur einen Dollar. Zu bezahlen, ihr könnt es ahnen, per Karte via Touchpad. In diesem Moment konnte ich nicht mehr an mich halten und brach ich hellem Gelächter aus. Meine Kollegen, die mich sowieso schon für einen Hinterwäldler hielten, weil ich mich durchaus berechtigt und offiziell gegen die verwendete GMO-Saat/ genmanipuliertes Saatgut ausgesprochen hatte, weil man mir erst gesagt hatte, dass es sich bei meiner Arbeitsstelle um eine Bio-Farm handeln würde, hielten es ab diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr für möglich, dass ich zukünftig auch nur im Ansatz überleben könnte – So ganz ohne Kartenzahlung, genmanipuliertem Saatgut. Und dann auch noch Veganer, der kein leckeres Chlorfleisch isst. Anmerkung: Ich habe ihnen in diesem Zusammenhang trotzdem nicht von meinen Sichtungen unendlich langer Tiertransportzügen erzählt, die mir auf meinem 14.000 kilometerlangen Weg durch „Down Under“, bei Temperaturen um die 50 Grad und unter den grauenhaftesten Verhältnissen, immer wieder den Weg an Bahnübergängen versperrt haben – beladen mit sog. Masttieren, die schon halb im Delirium versunken waren.

Ich hatte genug Erfahrung gesammelt. Mein somit letzter Job in Australien sollte nur noch wenige Tage andauern. Ich war erleichtert und freute mich auf meine Heimreise nach Europa. Weg von Kartenzahlung. Zurück zum Euro. Auch wenn dieser gerade einen äußerst schlechten Kurs hatte und ich bei der Umrechnung von AUS$ in Euros schon etwas ernüchtert war.

So flog ich nach Europa zurück und gönnte mir noch ein paar Tage in Paris. Doch auch in Europa war die Welle des Bargeldverbotes bereits übergeschwappt. So erfuhr ich, dass es in Frankreich bereits eine Obergrenze gibt. Verschärft wurden die Regeln für die Einfuhr von Gold und Schecks wie für die Ausgabe von Prepaid-Scheckkarten ab 250 Euro. Überweisungen oder Kontobewegungen über 10.000 Euro monatlich müssen angemeldet werden und beim Devisenkauf in Bank und Wechselstube gilt: ab 1000 Euro nur gegen Vorlage von Pass oder Personalausweis.

Pünktlich zum Frühlingsanfang war ich dann zurück in Deutschland und las den folgenden Artikel, der online unter FOCUS-MONEY zu lesen ist:

„Ist es ein Zufall, dass sich immer mehr Vertreter des Establishments gegen das Bargeld äußern? Wohl kaum! John Cryan, Co-Chef der Deutschen Bank sagte in Davos am 20. Januar 2016: „In zehn Jahren wird Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren … Es ist einfach schrecklich ineffizient“.“
Und weiter…

„Der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, kämpft gegen große Banknoten und will sie auslaufen lassen, indem keine neuen großen Geldscheine mehr ausgegeben werden. In einem „Handelsblatt“-Interview im Mai 2016 setzte er sich ausdrücklich dafür ein, dass Bargeld „über einen längeren Zeitraum auslaufen zu lassen“.

Schleichende Veränderungen geschehen unbemerkt von der Masse. Gerade deshalb setzen Leute wie Rogoff oder der Deutsche Bank Co-Chef auf zeitliche Streckungen und nicht auf einen Paukenschlag. Am Ende steht jedoch in beiden Fällen der Tod des Bargeldes.

Der wahre Grund für den Kampf gegen das Bargeld

25 Prozent der Weltwirtschaft weisen derzeit bereits negative Leitzinsen der Notenbanken oder Strafzinsen für die Banken auf, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken. Einige Beispiele:

  • in Schweden ist der Leitzins negativ mit -0,5 Prozent,
  • die Europäische Zentralbank stellt den Banken -0,4 Prozent für Einlagen über Nacht in Rechnung
  • in der Schweiz liegt der Leitzins bei -0,75 Prozent

Hier beginnt das Problem für die Zentralbanken. Der Autor Roger Bootle sprach in seinem Buch „Das Ende der Inflation“ aus dem Jahr 1996 davon: „Wenn die Banken dann unter der Führung der Notenbank versuchen, Bankeinlagen negativ zu verzinsen, dann ziehen die Leute ihr Geld von der Bank ab und bilden Bargeldvorräte, auf die keine negativen Zinsen berechnet werden könnten …“

Genau da liegt für die Notenbanken der Hase im Pfeffer: Wenn die Banken keine Zinsen zahlen oder sogar Strafzinsen für die Geldanlage fordern, könnten die Sparer ihr Geld einfach von der Bank abheben und in Form von Bargeld in Bankschließfächern, privaten Tresoren oder unter dem Kopfkissen aufbewahren.

Vergessen wir nicht, dass bei einer Bankpleite das Risiko des Vermögensverlustes für jeden Sparer besteht. Dies gilt insbesondere bei Guthaben oberhalb der gesetzlichen Bankeinlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank. Bargeld hat weder das Risiko der Bankpleite noch würde hier ein Strafzins anfallen.“

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Dies ist nur einer von vielen Beiträgen, die uns eine echte Warnung sein sollen. Wer die Geschehnisse in Griechenland verfolgt hat weiß, dass die „Einlagensicherung“ von 100.000 Euro eine Traumvorstellung und im Notfall keinesfalls umsetzbar ist. Vor allem bedenke man, dass bislang immer die Banken „gerettet“ wurden und somit nicht die Menschen, die ursprünglich das Geld erwirtschaftet haben. Dass es auch menschenwürdiger ablaufen hätte können, hat Island bereits bewiesen. Das sich kein anderes Land ein Beispiel an Island genommen hat, ist nur ein Grund dafür, dass ich inzwischen leider davon ausgehen muss, dass menschliche Lösungen den „Vertretern des Establishments“ überhaupt nicht am Herzen liegen.

Die ersten Touchpads habe ich jedenfalls auch schon in unseren Supermärkten gesichtet und einen wahren Flashback erlebt. Mir ist fast so, als hätte ich in Australien die Zukunft gesehen. Es kann nur von Vorteil sein, dass ich bereits etwas Training durch meinen Auslandsaufenthalt habe und meine Erlebnisse mit euch teilen kann.

Nach einem weiteren Erlebnis am heutigen Tag, habe ich endgültig den Entschluss zu diesem Beitrag gefasst. Beim Einkauf im Lotto-Geschäft um die Ecke, bat die Verkäuferin inständig um Kleingeld. Da ich lediglich einen Schein einstecken hatten, konnte ich ihrer Bitte leider nicht nachkommen. Daraufhin berichtete sie, dass die Banken seit kurzer Zeit weder Kleingeld annehmen/ wechseln, noch auszahlen würden. Dies soll die Einführung von neuen Kassensystemen beschleunigen, die ausschließlich mit Kartenzahlung funktionieren und sei ein gewaltiger Schritt in Richtung Zahlungsverkehr ohne Bargeld. Weil ihr Chef damit verständlicherweise nicht einverstanden sei, sammele sie sämtliches Kleingeld. Davon abgesehen, seien die neuen Kassensysteme unfassbar teuer und brächten viele kleine Unternehmen in starke Schwierigkeiten.

Aktuell finde ich zu diesem Thema häufig Beiträge, in denen zwar behauptet wird, dass derartige Kassensysteme nicht verpflichtend, jedoch ein Schutz vor Steuerhinterziehung seien und erst im nächsten Jahr vollständig eingeführt werden sollen. Ich hoffe ihr habt aufmerksam mitgelesen und versteht spätestens jetzt, dass es sich bei dem Thema „vermeidbare Steuerhinterziehung“ nur um einen schlechten Deckmantel handelt. Scheingründe, die zur vermeintlichen Sicherheit bzw. zum Schutz dienen sollen, waren bislang immer mehr schlecht als recht und sollten die wahren Gründe verschleiern. Deshalb hier ein paar Worte zum Appell und zur Aufklärung:

  • Freiheit stirbt mit Sicherheit
  • Die Einstellung von Bargeld bedeutet für Otto Normal keinen Schutz seiner Finanzen – ganz im Gegenteil. Gerade die kleinen Firmen und letztlich auch der Mittelstand
    leiden schon jetzt finanziell unter diesem Druck.
  • Die wahren Profiteure, sind die Reichsten der Reichsten, die somit noch mehr virtuelles Geld für Lebensmittelspekulation, Bankenrettung etc. – sprich zur
    Veruntreuung zur Verfügung haben.
  • Wenn unserem Staat der Schutz vor Steuerhinterziehung so sehr am Herzen liegt, warum hat man dann zugelassen, dass Großkonzerne keine Gewerbesteuer bezahlt haben und das gesparte Geld in Steueroasen/ Offshore-Inseln untergebrachten? Als wären die Panama-Akten eine Überraschung gewesen. Das Defizit, welches dadurch jährlich in unserer Haushaltskasse entsteht, muss von Otto Normal wieder ausgeglichen werden und liegt in Milliardenhöhe.
  • Wenn man unterbezahlten Servicekräften ein Trinkgeld gibt, hat das herzlich wenig mit Steuerhinterziehung zutun! Es ist oft die einzige Möglichkeit für jene Menschen, ihren Alltag zu bestreiten. Zudem ist es eine Wertschätzung, die durch Bargeldverbot nicht mehr machbar wäre!

Mir fallen noch unzählige Gründe ein. Da der Beitrag jedoch schon sehr umfangreich geworden ist und ich mir wünsche, dass sich die Menschen selbstständig mit diesem Thema befassen, möchte ich den für heute mit folgendem Zitat abschließen:

„Bei der Abschaffung und Kontrolle von Bargeld geht es nicht um Steuerhinterzieher, Terroristen und Kriminelle sondern darum uns Bürger zu überwachen, zu kontrollieren und enteignen. Bargeld ist und bleibt Freiheit!“ (Marc Friedrich und Matthias Weik)

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Links zum Thema und zur Inspiration:



Das kommende Bargeldverbot

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