stillen
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Das lautstarke Weinen und die Unruhe eines hungrigen Säuglings können nicht nur bis in benachbarte Stockwerke ansteckend wirken, sondern haben auf die Welt der Erwachsenen zwingenden Charakter. Glückliche Lösung, wenn die Beruhigung an der Brust der Mutter möglich ist! Die ganze gestaute Erregung konzentriert sich auf die Tätigkeit des Saugens; die geballten Fäuste öffnen sich zum Tasten, der Leib und die Beine erschlaffen. Die Augen des Kindes suchen die Mutter. Schließlich lässt es los, es ist »gestillt«.

Was ist das für ein Vorgang? Was ist das für eine Substanz, die fast unsichtbar von der Mutter zum Kind übergeht, die mit ihrer Wärme und ihrer Kraft diesen kleinen Organismus in seiner zarten Vielfalt gedeihen lässt und die ihn schließlich auf den Weg bringt aus einer behüteten Unselbstständigkeit heraus in die selbstständige Bewältigung des Raumes – eine Substanz, die äußerlich besehen doch so unscheinbar dünn und blass ist? Obwohl wir deutlich spüren, dass mit üblichen Denkabläufen eine Antwort schwer zu finden ist, wollen wir der Frage einmal nachgehen.

Einer heutigen Gewohnheit folgend, könnten wir die Antwort im Umkreis des Menschen bei den Tieren suchen, die manches sicherer zu bewältigen scheinen, als wir zivilisierten Menschen es vermögen. Wir finden da interessante Einzelheiten. Zum Beispiel: Eiweißreichtum der Milch kleiner Säugetiere, Milchzuckerreichtum und Mineralarmut bei Stute und Eselin – fast der Frauenmilch vergleichbar – und im Gegensatz dazu weitgehende Unähnlichkeit der Kuhmilch. Jede Tierart antwortet uns: Unsere Milch passt für uns.

Ein anderer Ansatz ist, einen Weg zu verfolgen, welcher sich die Natur dienstbar macht: Milch kann in ihre Bestandteile zerlegt werden und aus ähnlichen Substanzen wieder zusammengesetzt werden. Man nennt das Analyse und Synthese. Dieser Weg ist in unserem Jahrhundert vielfach bestritten worden. Ihn zu verfolgen, führt zwar nicht zur Beantwortung der Frage, was Muttermilch ist, jedoch zu einem Kontrast.

Am Anfang war die Not in den Waisenhäusern und Findelhäusern und in den ersten Kinderkliniken. Dort war eine Distanz zwischen mütterlicher und kindlicher Welt im Extrem entstanden. Es musste Ersatz für Muttermilch geschaffen werden, und so entstanden die ersten umfassenden Erfahrungen auf diesem Felde (Ammen mussten bezahlt werden und wurden seltener). Es entstand eine Art Milchküchenwissenschaft. Die Namen vieler bahnbrechender Pädiater verbanden sich mit verschiedenen Schleimen, Süppchen und Breien. Später in der Zeit des 2. Weltkrieges kam die Erfindung der Trockenmilch dazu. Obwohl sie niemandem schmeckte, war die Technik der Synthese nun einmal da und schrie in einer Art Eigengesetzlichkeit mit den Stimmen der Reklame. Die Mütter hörten gut zu. Was Kalorien, Nährwert und Vitamine sind, wussten sie inzwischen. Dazu kamen jetzt Haltbarkeit und Sauberkeit. Es war alles einfach, sicher, praktisch und vor allem mühelos. Die Stillwilligkeit der Mütter nahm auch aus anderen Gründen rapide ab, und dankbar und kritiklos machten sie von der Möglichkeit Gebrauch, den engen Stillkontakt so schnell wie möglich zu lösen oder gar nicht entstehen zu lassen. Die künstliche Ernährung trat einen Siegeszug an, der bis weit in die Entwicklungsländer hinein reichte mit all seinen zum Teil katastrophalen Folgen.

Die industriell hergestellte Fertignahrung erfuhr weitere Entwicklungen. Eine davon war die »Adaption«. Eine gewisse Zeit strebte man die »Angleichung« der Zusammensetzung an die Muttermilch an. Die Entwicklung war durchaus erfolgreich – zum Teil mit neuen Methoden der Fertigung – und dennoch rückte währenddessen das Vorbild der Frauenmilch immer weiter in die Ferne. Je feiner nämlich die Techniken der Analyse jetzt auch besondere Fettsäuren, Enzyme und Antikörper in der Muttermilch nachweisen konnten, um so unerreichbarer wurde die Synthese der selben.

Die Milch der Mutter birgt eben schon einen Teil der Kraft der Verdauung in sich; sie enthält Schutzstoffe gegen Bakterien, gegen die das Kind selbst erst später widerstandsfähig wird, und schließlich wechselt die Zusammensetzung der Frauenmilch im Laufe der Stillzeit so, dass sie dem Bedürfnis des wachsenden Säuglings angepasst bleibt.

Die Phase der Ausgleichung künstlicher Milchnahrung an die Frauenmilch fand ihr Ende mit dem Aufstellen von Definitionen, die von Kinderärzten erarbeitet wurden und die bestimmten, was man volladaptiert und teiladaptiert nennen durfte. Die Entwicklung ging insofern weiter, als inzwischen sterile Flüssignahrungen entwickelt wurden, die lediglich noch mit warmen Wasser verdünnt werden mussten. Zunächst imponiert die Liste der Zusammensetzung, die Spurenelemente und die vielen Vitamine. Das es etlicher Zusatzstoffe bedarf, um ein solches Produkt verkäuflich zu machen, ist weniger bekannt. Von der WHO (World Health Organization) sind hierfür bestimmte Stoffe erlaubt, nämlich Stoffe zum Andicken, zum Emulgieren, Puffersubstanzen, die den Säurewert stabil halten, Stoffe, die das Fett am Ranzigwerden hindern, und schließlich Geschmacksstoffe. Haltbarkeit und Verkäuflichkeit einer Nahrung sind eben eben Eigenschaften, die ohne eine Balsamierung der Produkte nicht erreichbar sind.

Aber wird denn bei der Herstellung von Säuglingsnahrung nicht auf höchste Qualität geachtet? Wenn man die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation liest, möchte man das vermuten. Die unerwünscht hohe Laurinsäurekonzentration in bestimmten amerikanischen Pulvermitteln belehrt einen jedoch, dass die Billigkeit der Ausgangsprodukte entscheidend war bei der Herstellung. In anderen Säuglingsnahrung wurden unwahrscheinlich hohe Konzentrationen von abgetöteten Bakterien nachgewiesen, so dass eine Verunreinigung der Ausgangsmilch angenommen werden muss.

Nur weil Schäden dadurch bisher nicht nachweisbar waren, ließ man diesen Fund seit Jahren unbeachtet. Schwierige wissenschaftliche und wirtschaftliche Probleme tun sich da auf. Wie einfach dagegen liegt die Situation bei der Muttermilch: kein Haltbarkeitsproblem, kein Transport- und Kühlungsproblem, keine Bakteriologie und doch unnachahmliche Frische, Wärme, Keimarmut, Gedeihkraft, Schlackenlosigkeit und Schutzfunktion.

Mit der Notsituation, der unüberbrückbaren Distanz zwischen Kind und Mutter begann es. In diesem Feld entwickelte sich Wissenschaft, schließlich eine Wirtschaft, und die Folge war, dass sich weltweit eine unnötige Distanzierung von Mutter und Kind ergeben konnte. Schließlich entstand Not durch künstliche Milch – in den Entwicklungsländern. Die Industrie entfaltete Eigenleben.

Über all die Jahre dieser Entwicklung stillten Mütter ihre Kinder, zwar nur noch wenige, diese jedoch ohne Beirrung. Sie gaben ihrem sicheren Gefühl Raum, dass das etwas ganz Wichtiges für das Kind vor sich geht. Damit vor die Öffentlichkeit zu treten, lag ihnen nicht und so bliebt es »im Stillen«.

Dann trat ein Wandel ein: Mütter gaben ihre Erfahrungen weiter, richteten Beratungsstellen ein, traten in der Öffentlichkeit auf und drangen mit ihren Argumenten auch in die deutschen Hochburgen des Abstillend, die großen geburtshilflichen Kliniken. »La Lêche League« nennt sich diese Vereinigung von Müttern. Das Pendel scheint in kritischeren Bevölkerungskreisen umzuschlagen. Immer mehr Mütter verlangen danach, stillen zu dürfen. Möge die Entwicklung auch die übrigen Bevölkerungskreise und schließlich auch die dritte Welt erreichen.

Dann sind jedoch auch Konsequenzen zu ziehen; Nicht nur das Stillen, sondern auch die Substanz Muttermilch muss gerettet werden. Die Insektizide unserer Nahrung reichern sich im Organismus der Menschen an und verlassen auf dem Wege der Muttermilch vermehrt den Körper. Kaum ein Mensch kann sich dieser Verunreinigung seines Organismus entziehen, in den Tropen mit dem dort hohen Insektizidverbrauch weit weniger als bei uns in Mitteleuropa mit seinen inzwischen kritischeren Bestimmungen (Anmerkung: Spätestens seit Glyphosat nicht mehr aktuell).

Die Bevölkerung muss lernen, nach Nahrungsmitteln aus insektizidfreiem Anbau zu fragen, und die Wissenschaft und Technik müssen Möglichkeiten zur Verfügung stellen, dass an vielen Orten leicht durchführbare Prüfungen auf Pestizidverunreinigungen möglich sind.

Die Verantwortung kann nicht mehr auf anonymen Institutionen abgewälzt werden wie Industrie, Verbände und Regierungen; sie muss von jedem selbst gewollt werden.

Aus dieser Betrachtung des Umkreises sehen wir jetzt deutlicher, was Muttermilch ist: Eine Substanz, die uneigennützig ist!

Umschreiben wir es: Zuerst muss bei der Mutter die Bereitschaft da sein. In einem seelischen Raum der Hingabe kann sich im mütterlichen Organismus tief unterbewusst diese wunderbare labile Substanz bilden, die vom Kinde in eine umfassende Tätigkeit verwandelt wird und damit seiner Geist-Seele den Ort ihrer Verwirklichung bereitet.

Schützen wir diesen Raum und diese Substanz!

(Literatur über die Praxis des Stillens Seite 23, erschienen in „WELEDA Nachrichten – Mutter und Kind, Sonderdruck 9. Auflage 1995. Zitiert von Madeleine)

Ich bitte die Leser das Gelesene auf die heutige Zeit zu übertragen und sich ernsthaft kritische Fragen zu stellen. Gerade wenn wir in diesem Kontext die Vorkommnisse in den Bereichen Umweltverschmutzung durch die Industrie beachten, können interessante und überaus wichtige Erkenntnisse erschlossen werden. Aber auch die Entwicklungen der Pharmaindustrie in Bezug auf Impfprogramme, erhalten eine ganz neue, noch gruseligere Beleuchtung. Ergänzend wirkt dieser Artikel für bisheriges Grundwissen zum generellen Vorgehen des Staatsterroristisch-Militärisch-Industriellen-Medienkomplexes.

Es bilde sich wer kann: autark, selbst und ständig. Zum Thema Stillen findet ihr wertvolle Hintergrundinformationen und Hilfestellungen unter http://www.lalecheliga.de

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